Sehen, so Hans-Albert Walter, kann sich nur an der Wahrnehmung kleinster Varianten bilden. Ein würdiges Motto, mit dem wir den kommenden Galerie-Auftakt in Flingern einleiten möchten. Parallel mit der Werkschau Walters Arbeiten bei Cosar HMT eröffnen auch die anderen großen Galerien Conrads, Konrad Fischer, Petra Rinck und van Horn ihre neusten Ausstellungen. Aber von vorn:

COSAR HMT: Zählen, bitte!

Die Zahlen 0 bis 9 bilden seit den frühen 1970er Jahren das ausschließliche Bildsujet des Künstlers Hans-Albert Walter. In großen Bildreihen malt er immer wieder diese Ziffern und schaffte mit ihnen eine konzeptuell angelegte Malerei, die eine faszinierende formale Variationsbreite aufzeigt. Minimal nicht nur in der Formensprache, sondern auch im Einsatz eines reduzierten Farbspektrums, beschränken sich die Bilder Walters meist auf die Verwendung von Schwarz und Weiß, sowie deren unendliche Zwischenstufen des Grau.

Das Licht und dessen Abwesenheit, eines der zentralen Themen Walters bereits zu Anfang der 1960er Jahre im ZERO Umfeld Düsseldorfs, führt er spannungsreich mit seinen auf Schwarz und Weiß reduzierten Arbeiten vor Auge. Er radikalisiert diese minimale malerische Haltung noch mit seinen monochrom schwarzen Zahlenbildern, die rein mit den unterschiedlichen Reflexionsgraden matter und glänzender Oberflächen operieren.

Von Freitag an bis zum 18. Juni zeigt COSAR HMT erstmalig Hans-Albert Walters Arbeiten.

Van Hoorn: „ONCE UPON A STRATUM OF CONSCIOUSNESS“

Parallel eröffnet in Flingern auch van Horn, hier beginnt die dritte Einzelausstellung von Georganne Deen. Die Texanerin, geboren 1951, lebt und arbeitet zurückgezogen in der Nähe von Los Angeles.

Sie schreibt selbst zu ihren jüngsten Werken: Während ich an dieser Serie arbeitete ging ich zu einem Vortrag Philippe Petits, oder eher zu einem Verriss der Cliquen und Stereotypen über das Kunstmachen vor einem Kunstpublikum in L.A.. Falls Sie nicht wissen wer er ist, er ist der Franzose, der 1974 heimlich ein Seil zwischen den World Trade Türmen gespannt und überquert hat. Wenn er nicht der größte Performance-Künstler aller Zeiten ist, möchte ich wissen wer das sein soll. Zu den Themen die er diskutierte gehörte warum er die Schule abgebrochen hatte: es war niemand da ihn das zu unterrichten, was er lernen wollte. Er sagte, wenn er eine Schule hätte wäre eines der Fächer Mißerfolg, denn MIßerfolg wäre sein größter Lehrer. Vom Erfolg hätte er nichts gelernt, sagte er.

Wer mehr wissen will: Die Vernissage an der Ackerstraße 199 findet am Freitag von 19 bis 21 Uhr statt.


Rink: ASTALI/PEIRCE
INSULAR

Am Anfang stand ein beinahe archäologischer Ansatz. Expeditionen zu Müllplätzen förderten Industrieabfälle zutage, die von den Künstlern weniger als Ausgangsmaterial, denn als ästhetische Studien zur Industriegesellschaft, als skulpturaler Ausdruck des Verbrauchs und als Vorlage für eigene künstlerische Strukturelemente gesammelt wurden. Im Atelier in einem klassischen bildhauerischen Prozess auf das Wesentliche reduziert, stehen sie fortan als Anregung, Studienobjekte und Stichwortgeber für neue Projekte bereit…..

So ist das Material eben auch Bestandteil eines grösseren, umfassenderen Motivs, das vielleicht am ehesten als eine chronische, aber hybride Bewegung betrachtet werden kann. Diese Bewegung ist nicht linear, sie hat unterschiedliche Richtungen und Intensitäten. Einerseits historisch, andererseits formal begründet, wird diese Bewegung von den Künstlern als „Atmen zwischen Polaritäten“ beschrieben, und artikuliert eine künstlerische Arbeit weniger als das Beziehen von Positionen als einen transformativen Prozess, einem Wechselspiel von Leserschaft und Autorenschaft, der nicht nur Worte, Texte, Bilder sondern auch Materialien, ihre Benutzung und jede Verknüpfung dazwischen als Kulturformen und als mögliches künstlerisches Motiv begreift…..

Auch die Ausstellung bei Petra Rinck eröffnet am Freitag um 18 Uhr, die Vernissage kann bis 22 Uhr besucht werden.

Die große Inszenierung

Mit dabei beim Grand Opening sind außerdem die Galerien Conrads (mit Rosemarie Laik) und Konrad Fischer. Letzeres Haus zeigt die Wuppertalerin Tatjana Valsang, die in ihren Arbeite auf Leinwand ein Schauspiel der Malerei inszeniert.
In zahlreichen Schichten trägt sie die Farben auf, teils opaque, teils durchlässig, entfernt ganze Farbfelder, fügt neue hinzu. Der zeitliche Ablauf manifestiert sich in diesem facettenreichen Übereinander verschiedenartiger Schichten. Dabei kombiniert Tatjana Valsang die malerische Geste mit dem Zufall der organisch-chemischen Prozesse der Malmittel. Das Gemälde ist ein Versuchsfeld, um immer neue Formen entstehen zu lassen. Der Betrachter liest aus den organischen Formen Bilder, die den Eindruck erwecken, als verselbstständigten sich die Farben und Substanzen; nicht unähnlich einem Blick durch das Mikroskop, der das Kleine ins Große überträgt.