Aktuell

8. Dezember 2011 um 15:23

Flingern schafft sich ab!

Die Frage, ob etwas noch zeitgemäß ist, wird gern im sonntäglichen Feuilleton debattiert. Die Rubrik findet sich meist unten auf der Seite, links schreibt einer dafür, rechts einer dagegen. An dieser Stelle möchten wir eine Vorlage für das „Contra“ geben – und hoffen irgendwie, dass viele „Pro“-Beiträge folgen.
Den Impuls, an dieser Stelle einmal deutlicher zu werden, hatten wir schon vor / während / nach der jüngsten Ausgabe von „Flingern rollt den roten Teppich aus“. Nicht wenige fragten sich, warum und für wen wir da einen Teppich ausrollen. Nicht, dass wir etwas gegen Menschen hätten, die gerade nicht in Flingern wohnen und herkommen, um zu feiern. Wir erinnerten uns nur an eine Zeit, in der sich Besucher eher zufällig hierher verirrten und das, was sie sahen, doch irgendwie cool fanden. Verstörend, weil anders, unangepasst. Und deswegen kreativ oder lustig oder anregend.
Diesmal wurde der verkaufsoffene Abend in der Rheinischen Post angekündigt (schon im Sommer haben das viele mit Grusel beobachtet) und auch wenn der Regen Schlimmeres verhinderte, konnte sich Flingern im nachhinein dafür rühmen, dass bei uns im Viertel exklusive Bratwürstchen mit Blümchen drin verkauft werden, Kuchen noch selbst gebacken werden oder dass der Yoga-Jünger hier die weichsten Matten bekommt. Soll es das sein?
Scheinbar ja. Wir haben euch gewarnt, dass der zunehmende Kaufrausch in unseren Gassen ein böses Ende haben wird, dass der 100te Laden, der Ausgefallenes (gern für Kinder / mit Fliegenpilz-Muster / bedruckt mit lustigen Sprüchen) zu überteuerten Preisen anbietet, früher oder später zur Verflachung führt. Diesen Dienstag war es endgültig soweit.
In der schönen RP-Rubrik „55 Dinge, die man in Düsseldorf erlebt haben muss“ schrieb eine Autorin (Praktikantin) über die „Wundertüte Ackerstraße“. Man weiß nicht, was mehr weh tut: Ein Text, der Flingern mit einer südlichen Urlaubsinsel vergleicht, in der man davon träumt „Inhaber eines hübsch eingerichten Cafés oder eines eigenen Ladens“ zu sein, um dann zu ergänzen: „die Ackerstraße sei keine schöne Straße, ihren Reiz macht das Unvorhergesehene ihres Angebots aus.“ Oder die Tatsache, dass Flingern hier scheinbar endgültig als kreative Shoppingmeile verramscht wird.
Urlaubsinsel, schön oder nicht schön, was zusätzlich befremdet, jedenfalls uns, ist dass, was Flingern angeblich so toll macht: ein Geschäft für Esoterik, dass auch so heißt, Putzlappen und Spülschwämme, die mit „Glanzstück“ oder „Dreckstück“ bedruckt sind und angeblich WG-tauglich machen und ältere Gäste in einem Café, die Zeitung lesen.
Was kann man tun? Abwarten, bis die neue Beliebigkeit weiter zieht, vielleicht nach Bilk auf die Lorettostraße, die jetzt der neue Place to be sein soll, oder – wer so lang nicht aushalten kann, dem bleibt nur der Ortswechsel. Fortuns zieht es ja auch in eine andere Liga.

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20 Kommentare

  1. Also ganz ehrlich, fand ich nicht nur die Parkplatzsituation aufgrund des großen Andrangs zu „Flingern rollt den roten Teppich aus“ zum Kotzen, sondern auch die seltsamen Gruppen von 14 (?) -jährigen, die sich mit jeder Menge Alkohol und Kippen u.a. vorm Bösen Chinesen niederließen. Ich für meinen Teil war froh, nach einer dreiviertelstündigen Parkplatzsuche, die ich in Reihe 2 aufgeben musste, wieder zu Hause zu sein und an dem Abend keinen Fuß mehr vor die Tür zu setzen. War früher angenehmer … :/

  2. BOOOAHAAH,
    ich kann diese Leier. „Flingern schafft sich ab!“
    Vielleicht muss ja mal so ein provokater Text her, damit auf flingern.net was passiert, doch ich kann das Sabbel nicht mehr hören!!

    Klar verändern sich die Dingen und klar kommen immer neue Läden und Ideen nach Flingern, so lange sie funktionieren!!
    Und was ist daran schlimm, wenn wie jetzt aktuell mehrere Jogabuden aufmachen, dann müssen sie ja auch Interessenten haben…..
    Das ist doch prima.Ich selber marschiere da jetzt nicht rein…

    Wenn die Leute sich hier wohlfühlen, weil sie hier gut essen, gut einkaufen, gut leben können, das ist doch nur ein Lob für ein funktionierendes Viertel.
    Ist etwas nicht angesagt und uninteressant dann verschwindet es von alleine.
    Das die Miete anziehen ist nun mal der Preis für eine Lebensstandard den ein Großteil der Bewohner auch so haben möchten.
    Auch die verschiedenen Viertelfeste finde ich persönlich total spannend, weil immer viele Kreative mit vielen Ideen einen einmaligen Abend für alle Beteiligten bereiten.Flingern lädt halt ein und Düsseldorf kommt! Ich find´s gut.

    Mit fast 20 Jahre Flingern und 12 Jahren mit meinem Geschäft auf der Acker, habe ich auch das andere Flingern erlebt und freue mich über dieses bunte, lebenslustige Flingern. Ist nicht immer alles schön und Spinner gibt´s auch überall.
    In diesem Sinne freuen ich mich auch über eine Neubelebung der Birkenstrasse.

  3. @Sebastian: sonst gekommst du eine Parkplatz? Glückwunsch! :-))
    naja und an einer Stelle seltsame Vögel…..

  4. sorry , verschrieben:
    *bekommst – soll es heißen.

  5. dankedankedanke an gerd!!! ich kann es auch NICHT mehr hoeren….dieses ewige rumgenöle und gejammere…alles ist schlecht, alles ist scheisse und frueher war eh alles besser! war es das? ich wohne seit fast 20 jahren in flingern und kann es ganz gut beurteilen…NEIN, es war nicht besser…es war langweilig, es gab weder nette laeden, noch soviel gastroangebote, kein yoga, keine feste, kein gar nichts! ist es das was ihr zurueck wollt? das waere naemlich die konsequenz. ihr koennt nicht euren persoenlichen rotmarker ansetzen und selber festlegen was gut und was schlecht ist, was kreativ und was scheisse, was das viertel braucht und was nicht. das kann ja jeder fuer sich entscheiden. offensichtlich machen die macher im viertel ja was richtig, warum sonst wird das viertel denn immer beliebter? a propos MACHER…als was seht IHR euch eigentlich. denkt ihr eine seite wie flingern.net wuerde auch nur einen baum interessieren wenn es diese entwicklung im viertel nicht gaebe? hier gruesse ich die ueber 2400 facebookfans…was denkt ihr denn woher die so kommen?
    und wer jetzt immer noch was zu meckern hat dem kann ich mehrere ratschlaege geben: BESSER machen, statt laeden und leute schlecht zu machen. oder noch besser: WEGZIEHEN!!! echt leute…reflektiert mal mehr was ihr STATTDESSEN wollt… was ist die konsequenz eurer klage??? einreihen und angesprochen fuehlen duerfen sich jetzt gerne auch die gentrifizierungsaufschreier…:-) vielen dank fuer eure aufmerksamkeit…und jetzt bin ich mal gespannt welche aufgeheizte diskussion hier noch so losgehen wird… 😉

  6. FlingPflanze sagt:

    Flingern 3.0: Neue seltsame Galerien machen auf, Frauenkramläden mit absurdem Sortiment, ein Edelfahrradladen. Nachdem die ersten Ketten auf der Ackerstraße angekommen sind wie Patagonia und Oliver Schmitz Hairgroup, fragt man sich schon, was als nächstes kommt.

    Der Charme schwindet jedenfalls zunehmend dahin und bald ist leider nichts mehr von dem übrig, was die Leute anfangs nach Flingern zog. Wenn man hier schon lange wohnt, kommen einem solche Teppich-Events vor wie ein hochgradig albernes, aufgesetztes Provinztheater, nur halt für hippe Großstädter, siehe Kommentare zum Artikel „Roter Teppich“…

    Es gibt Städte, in denen ein echtes Miteinander von Alten und Jungen, Armen und Reicheren, Kreativen und Normalos super funktioniert, ohne dass gleich die große Gentrifizierung ausbricht und einzelne Viertel für die angestammten Bewohner unbewohnbar werden. Düsseldorf entfernt sich davon leider immer mehr.

  7. Gentrifizierung nennt man das, kinnas.

  8. patagonia ist eine marke die im laden langbrett verkauft wird…und der laden ist keine kette nur weil es ihn auch in berlin schon 1x gibt…kinners kommt mal klar hier…wir sind soweit von eurer daemlichen gentrizizierung entfernt wie sonst was. fahrt mal in eine RICHTIGE grossstadt…da erlebt ihr das vielleicht….und der aufforderung mal selber mit guten ideen zu kommen kommt ja wieder keiner nach…maulen und jammern…ja DAS koennen se die deutschen…LAECHERLICH….sagt doch mal zur abwechslung WAS WOLLT IHR? nur sagen was man NICHT will reicht eben nicht aus…

  9. FlingPflanze sagt:

    sehr fein bemerkt, sciloqi…

    und was bedeutet das, Gentrifizierung? Das heißt, dass jeder, der ein bisschen was auf sich hält, den coolen Kiez-Chic will und vielleicht eine Weile noch lachend mitgeht mit den steigenden Mieten (die anderen, die echten Flingeraner sind natürlich längst weg). Bis es dann so teuer wird, dass es sich auch die jungen und krampfhaft auf jung machenden Kreativen irgendwann nicht mehr leisten können und eine öde gepflegte Kommerzzone übrigbleibt, die keinen mehr hinter dem Ofen vorlockt. Profiteure sind Makler, Bauunternehmer, Vermieter. Siehe Berlin, Hamburg, München, Frankfurt, etc. Nur dass wir hier leider etwas weniger Auswahl an Ausweich-Stadtteilen haben…

    rene, wenn es einfaches Rezept gäbe, wäre es schön. Es geht auch nicht ums Meckern aus Prinzip, es geht um die Erhaltung einer lebens- und liebenswerte Umgebung. Noch mag das hier funktionieren, aber viele Leute sind schon frustriert weggezogen. Immerhin gibt es ein paar Initiativen, aber die Entwicklung wird sich nicht einfach umkehren lassen.

  10. Ich verstehe das irgendwie nicht? Was soll das, ein Event wie FRDRT aus jetzt als Aufhänger für solch eine Polemik zu nehmen? Ich antworte dann auch mal bewusst polemisch: Was soll uns das sagen? Es dürfen keine Fremden ins Viertel? Flingern den Flingeranern!?

    Sowas ist doch Blödsinn. Egal wie kreativ, ungewöhnlich, einzigartig ein Laden auch ist: Er braucht Kunden! Und die können nunmal nicht nur und ausschließlich aus Flingern kommen. Dann sind die ganzen hübschen Lädchen, auf die die Leute im Viertel so stolz sind, nämlich ganz schnell wieder verschwunden. Und die Kunden parken dann auch noch hier? Wie unverfroren! Haben die denn kein eigenes Viertel dazu?!

    Mal Hand aufs Herz: Ich finde es nett, Leuten, die nicht von hier kommen, mein Viertel zu zeigen. Weil es sich ständig verändert, neu erfindet, Dinge scheitern, andere entstehen – und sehr sehr oft ist hinter all dem immer noch eine bessere Idee als an sonst einem Flecken in dieser Stadt. Ich kann an diesem Wandel nur wenig Schlechtes finden.

    Ja, die Mieten steigen. So ist das überall in lebenswerten Vierteln. Ich fände es auch super, hier für 5 €/qm zu wohnen. Aber schön, umtriebig UND billig? Das ist doch ein urbanes Märchen …

  11. Hach, ist das schön. Da regen sich ja als erstes gleich die richtigen auf 🙂

    Aber mal endlich eine Diskussion, oben steht ja auch das es Pro und Contra sein soll.
    Das mit dem roten Teppich hat sich aber langsam selbst überholt, irgendwann ist halt mal gut. Das ist jetzt ja auch nicht mehr so toll, lieblose Plakate, ein Teppich und gut. Na ja, gibt aufregenderes!

    Das mit den Läden finde ich sehr passend, schaut euch doch mal um wie viele es davon mittlerweile gibt, überall noch so tolle pfiffige Sprüche und total kreative Drucksachen.

    Ich finde eine schöne Mischung gut, mal sehen ob die Birkenstraße sich vernünftiger entwickelt.

  12. FlingPflanze sagt:

    klar, durch solche Aktionen wie mit dem roten Teppich wird der Umsatz angekurbelt. Schöne Sache natürlich, aber gleichzeitig beschleunigt es den Effekt, dass zahlungskräftige(re) Interessenten auf die Läden aufmerksam werden, gegen die die charmanten kleinen Geschäften einfach keine Chance mehr haben. Welcher Vermieter wird da nicht schwach, wenn plötzlich die Lage so begehrt ist, dass er für den Laden, der vor ein paar Jahren noch leer stand, nun ständig höhere Mieten kassieren kann?

    So geht es doch schon eine ganze Weile, erst verschwinden die kleinen Galerien wie Revolver, die Selfmade-Lädchen und immer mehr von denen, die eigentlich gut hier hin passten und etabliert schienen. Es rücken edle Blumen- und Schnickschnackläden nach, immer schön angepasst an die sich stetig ändernde Bewohnerstruktur. Im Grunde sägen also die kleinen flingeraner Läden sehenden Auges den Ast ab, auf dem sie sitzen.

  13. petruslius sagt:

    also, ihr lieben… was mich an dieser ganzen sache nervt ist nicht, dass es in flingern immer schicker wird, dass hier die mieten steigen, dass hier alles geblümt und getupft ist. was mich nervt ist, dass „die leute“ meinen, sie seien trendsetter und einem absolutem geheimtipp auf der spur, dass kommuniziert wird, die ackerstraße sei ein künstlerbezirk. ich kotze!!! wenn sich die leute am samstag vormittag auf dem markt sehen lassen um ne überteuerte bio zitrone zu kaufen, sehen und gesehen werden! in dieser scheiß hipster-kacke! jeder sagt sich dann, dass sie ja schon immer hierher gingen. bahh!! und schon immer nen kaffee für 5 euro bei oma erika tranken. ich flippe aber am meisten aus, wenn sie dann so süße möchtegern demos gegen die gentrifizierung starten. oh mann. flingern ist einfach so möchtegern. sollen die bewohner dieses stadtteils einfach mal diesen komplex los lassen und ihr leben leben, ohne sich zu erklären! und auch von sonst niemand erklären lassen. beste grüße!

  14. Was zeichnet denn einen „echten Flingeraner“ aus?

    fragt Ralf aus Flingern Süd.

  15. haenschenklein sagt:

    Ich weiß nicht mehr, wo ich’s neulich gelesen habe: Gerade die, die sie am wenigsten wünschen, treiben die Gentrifizierung selbst voran. Also, egal wo all die „aaah, mein Viertel verändert sich, der (wann auch immer er erreicht war) gute / richtige / authentische Zustand geht vorüber“-Peoples als nächstes hinziehen würden, sie werden sie nicht los. Es sei denn, sie sind in Zukunft einfach nur hip, behalten’s aber für sich, dann klappt’s vielleicht – und alle sind zufrieden. Und wem’s rund um die Ackerstraße zu schick wird, dem empfehle ich einen Fußmarsch von etwa 5-10 min in eine beliebige Himmelsrichtung. Sehr heilsam.

  16. Also, ich hab am 1.12. herrlich viel gelacht: Frauengrüppchen, die in Chat Noir gucken und begeistert feststellen: Hier kann man was essen gehen!“ (Waaaahnsinn, oder?), Künstler, aus deren Galerien wir rückwärts wieder raus sind und die uns dann hinter her bei Michel im St. Pauli Blond auf halbfranzösisch irgendwas ins Ohr lallen, von dem wir fast dankbar sind es nicht zu verstehen – und am Ende ne Pommes beim Türken am Worringer Platz, in den wir volltrunken noch unsere Weinflasche reingeschmuggelt haben – keine Ahnung, wo die überhaupt herkam, vielleicht von einem der beiden komischen Typen, die aus der Pech-Marie gekehrt wurden, als wir grad vorbeiliefen – , also det is Flingern, wie ich es mag! Und wer Michel in seinem Kunstpelz, die dreckigen Fingernägel vom selbsternannten Künstler und die restlichen Gäste in der Pech-Marie gesehen hat, der weiß: Schick, das is was anderes 🙂
    Und, was das mit den gelddruckenden Läden angeht, bin ich ganz entspannt: Die machen doch eh innerhalb eines Jahres wieder zu – vielleicht kommt ja irgendwann mal wieder was spannendes – und bis dahin versuch ich nicht allzu oft zwei Stunden vor dem Kindergeburtstag ein Geschenk zu besorgen und dann SEHR dankbar doch schnell mal reinzugrätschen 😉

  17. tz tz tz und in Richtung Oberkassel gröhlen:

    „Die sollen sich nicht anstellen wegen der Kirmes.
    Selber Schuld, wenn man dahin zieht.
    Die sind doch eh alle Schicki-Micki, die Dollköppe da drüben.“

    Leute, ihr werdet spießig und im Herzen zu alt für Flingern (Nord).

    Ich hatte die Ehre vor 17 Jahren in einem tristen und völlig versoffenen Viertel zu hausen. Es war damals einfach nur kalt, verkorkst & verfallen.
    Wo hätte die Reise denn eurer Meinung nach hingehen sollen?
    Damals ist immer alles besser

    Gruß an einen charmante Gemeinde,

    ich mag Flingern und ich komm es gern besuchen.

  18. Hallöchen meine Lieben,

    ich als Neu-Flingeranerin habe mir die Diskussion eben mal aufmerksam durchgelesen und muss sagen: Mir kommt es vor, als würde hier Stress gemacht um Dinge, die eben passieren, und um die man sich gerade deswegen nicht so den Kopf zerbrechen sollte. Und damit meine ich vor allem – wie einige Vorgänger bereits schon ausführlich beschrieben – Veränderung.
    Ich bin im Sommer neu in Flingern dazugezogen, und zwar nicht, damit ich sagen kann: „Ha! Ich bin Flingeranerin. Ich bin total im Trend.“ Nein, das ist vielleicht ein positiver Nebeneffekt. Ich bin hier, weil mich der Charme unseres Viertels total überzeugt hat. Weil mir der Charakter des künstlerischen, kreativen Trendviertels, vor allem bewohnt von jungen Leuten und Studenten, auch so auffiel, ohne dass mir jemand sagen musste: Hipster. Freut euch doch mal darüber! Ich gehöre nicht zu den Reichen, sondern freue mich über eine unter 10 €/qm günstige Wohnung in einem Viertel, das genau meine Lebensphilosophie wiederspiegelt, und zwar nicht nur weil ich zurzeit selbst die Ausbildung im kreativen Bereich begonnen habe, sondern auch weil mir der mitmenschliche Charakter positiv auffällt, der dem auf dem Land (ich komme ursprünglich aus einem kleinen Dorf) sehr ähnelt.
    Das Viertel zeigt Veränderungen, die in meinen Augen einfach nur Trendzüge sind, wie es bei Modeeerscheinungen auch immer der Fall ist: Einer tanzt aus der Reihe, am Anfang denken alle „Oh Gott.“ Dann ziehen ein paar mit, darauf wird geflutet mit dem Trend und schließlich will es keiner mehr, weil es jeder hat. Und das passiert hier scheinbar auch. Die Hipster-Bewegung ist halt im Moment „in“, so blöd das auch klingen mag, aber im Moment wollen alle nun mal alternativ, Indie, und was sie sonst so mit der angeblichen Definiton von „Hipster“ verbinden, sein. (Bitte, es soll sich niemand angegriffen fühlen.) Und die Elemente findet man eben in Flingern! Hier haben sich viele tolle kreative, inspirierende Menschen und Künstler mit eigenen Ideen niedergelassen und wir dürfen den „Luxus“ genießen, von diesen Läden ganz viele auf einem Fleck zu finden! Dass andere auch was davon haben wollen ist doch klar. Wie gesagt: Trendzüge. Aber zu jeder Bewegung gibt es auch eine Gegenbewegung, und da bin ich gespannt, wie Flingern das aufnimmt. Jetzt möchte ich nur sagen: Freut euch darüber, dass das Viertel Vorbild sein kann mit seinem individuellen Charme. Und lasst auch Veränderung zu.

  19. @Ralf: für mich ist ein echter Flingeraner vor allem gelassen und freundlich.

    Die Gelassenheit verschwindet aber zunehmend aus unserem Viertel. Es wird im Alltag viel häufiger auf das eigene „Recht“ gepocht. Das merkt man beim Anstehen an der Kasse, im Cafe und natürlich bei der Parkplatzsuche. Eigentlich finde ich es schön, wenn neue Leute mit neuen Ideen kommen. Wenn aber meine Autowerkstatt einer Eisdiele weichen muß, die zu völlig überteuerten Preisen exotisch klingende Eissorten verkauft, aber kein einfaches Vanilleeis hinkriegt, wenn der Gemüseladen dicht macht und dafür dort schicke Einladungskarten verkauft werden, wenn der Bioladen vom 108. Blumenladen im Viertel abgelöst wird, dann ist das für mich KEIN Gewinn an Lebensqualität! Ich habe nix gegen neue Läden, die hübsche „geblümte und getupfte“ Dinge verkaufen, oder die viel gepriesenen „Gastro-Szene“ . Viele dieser Läden finde ich persönlich eher albern als kreativ, aber das ist Geschmackssache. Es scheint eine Menge Menschen zu geben, denen das gefällt, also sollen sie doch machen. Wer kein Bock darauf hat, geht halt einfach nicht hin.
    Leider geht die Entwicklung im Moment aber ausschliesslich in diese Art von Läden. Die gewachsene Infrastruktur verarmt zunehmend und verliert ihre Vielfältigkeit. DAS ist es, was mich nervt.

  20. Sleepless sagt:

    Flingern-Nord kann wieder aufatmen … Der kriminelle Schläger von St.Pauli Blond ist ausgezogen … +++ Drei Kreuze …

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